SCHÖNER WOHNEN – Redaktionsblog

Alle Beiträge in ‘Aus der Redaktion’ (8)

Himmlische Ruhe

Werde ich nun spießig, oder endlich vernünftig? Seit einem halben Jahr verbringe ich meine Nächte auf einem Matratzensystem, für deren Anschaffung ich locker zwei Wochen in der Karibik hätte relaxen können. In einem fünf Sterne Hotel natürlich. Dort hätte ich mein Haupt wahrscheinlich auch auf einer Boxspring-Matratze gelegt. Aber eben nur zwei Wochen lang. Jetzt genieße ich jede Nacht Hotelkomfort und schwebe auf Wolke Sieben. Die Einsicht, in meinen Schlaf zu investieren, kam mit dem Besuch dreier Matratzen-Manufakturen. Ich wurde per Lear-Jet zu Hästens ins schwedische Köping geflogen, reiste etwas bescheidener zu Treca nach Reichenhoffen ins Elsaß und zur Familie Schramm in die Pfalz. Drei Profis in Sachen Federkern und gutem Schlaf. Dort habe ich mit eigenen Augen sehen dürfen wie das Rosshaar per Hand zurechtgezupft, die Federkerne mühselig in Taschen genäht und  die 30 cm dicken Schwergewichte mit einem aufwändigen Keder zugenäht wurden. Das beeindruckte. Und das Probeliegen überzeugte. Weg mit meiner armseligen Schaumstoffmatratze, dieser Gedanke beherrschte mich. Drei Jahre lang. Jetzt endlich throne ich wie die Prinzessin auf der Erbse jede Nacht auf einem stolzen 50 cm hohen Nachtlager. Ich bin dem Himmel ein Stück näher gekommen.
www.hastens.com
www.schramm-werkstaetten.de
www.trecadeparis.com

Zu viele weiße Wände!

www.flamantpaint.comViel Weiß und mal moderne, mal etwas kahle Leere starren mich von den Bildern an – wenn ich einmal im Jahr die Fotoproduktionen unseres großen Wettbewerbs „Die schönsten Häuser“ auf den Tisch kriege. Mich als bekennenden Höhlenmenschen friert manchmal dabei. Wobei ich weiß, dass es sich ja meistens um sehr neue, frisch bezogene Häuser handelt, also die „Patina“ durchs Leben noch fehlt. Und die macht das Wohnen ja erst schön, warm, gemütlich. Aber es fehlt eben oft auch ganz einfach Farbe an den Wänden. Und was für Farben! Dunkles Grau mit einem Schuss Rot, das Wärme gibt. Erd- und Moosfarben, die ich sonst nur auf Camouflage-Mode finde. Tiefes Aubergine-Violett, das helle Möbel erst richtig zum Leuchten bringt. Ich liebe das! Und empfehle ganz dringend, eine weiße Wand viel öfter als Einladung für Pinsel und Farbtopf zu betrachten. Unbedingt mal hier vorbeischauen: www.flamant.com und www.flamantpaint.com (tolle Farbkollektionen).

Cocooning – Rückzug ins Private

Bubble Chair - Eero AarnioNestbau galt in den sechziger Jahren noch als total spießig. Man wollte unabhängig sein und mit dem Rucksack durch Asien trampen. In den Achtzigern waren die Singles auf dem Vormarsch. Kurztripps zu den Metropolen dieser Welt und vibrierende Partynächte waren in Mode. Bloß nicht in der Singlebude hocken, wo einem womöglich die Decke auf den Kopf fiel.
In den Neunzigern schwappte dann endgültig die Fitnesswelle zu uns rüber. Es ging raus in die Natur – Radfahren, Joggen und Extremsportarten standen auf dem Programm. Hauptsache, man endete nicht als Couch-Potato auf dem heimischen Sofa.

Heute setzt die Kehrtwende ein. Sozialpsychologen haben einen neuen Trend ausgemacht. Was vorher noch verpönt war, wird auf einmal zur Lebenskunst: der Rückzug ins Private. Lesen Sie mehr

Grobstrick

GrobstrickDas mit dem Stricken – eigentlich ist das für mich gelaufen, seit ich in den siebziger Jahren die ersten Semester meines Studiums an der Uni Hamburg mehr mit dem Herstellen selbst gestrickter Pullis als dem Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten verbracht habe. Zu meinem Leidwesen entsprach das Ergebnis meiner Mühe nur in seltenen Fällen meinen ursprünglichen Vorstellungen. Als ich dann in fortgeschrittenem Semester auch noch erhebliche Wissenslücken bemerken musste, stand fest: Nie wieder werde ich kostbare Zeit mit dem Herstellen ungeliebter Kleidungsstücke verbringen, nie wieder Stricken! Doch wie das so ist: Gute Vorsätze sind dazu da, dass man sie revidiert und jetzt, 30 Jahre später, ist die Versuchung groß, wenn ich die wunderbaren, grob gestrickten oder gehäkelten Wohnaccessoires sehe, hergestellt aus feinsten Materialien und in der Regel nur zu einem stattlichen Preis zu haben. In Gedanken bin ich dann auch schon dabei, mich ans Werk zu machen – her mit den dicken Nadeln und der Wolle! Nur eins hält mich bisher noch ab: könnte ja doch sein, dass das Produkt mal wieder nicht so Klasse ist wie die Idee! Also vielleicht sollte ich doch besser eine dieser schönen Strickdecken kaufen, denn da sieht man schließlich, was man hat.

Foto: Woodnotes

Kein Mut zum Tête-à-Tête?

evans-paulFällt das Stichwort Causeuse, durchzucken Fragezeichen die Mimik des Gesprächspartners. Kommt der gleichbedeutende Love-Seat ins Spiel, versteckt sich vermeintliche Kenntnis hinter diskretem Grinsen – oder das Verständnis zielt sittsam auf den zierlichen Zweisitzer: ein Sofa, dessen knapper Zuschnitt einem möglichen Dritten signalisiert, momentan nicht wirklich willkommen zu sein. Während deutsche Bezeichnungen (”Plauderstuhl”, “Verlobungsbank”) in kunsthistorischen Folianten begraben liegen, trifft man zuweilen auf die synonymen Vokabeln Settee und – ganz nah an des Gegenstands Bestimmung – Tête-à-Tête.

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Stil-Alarm: Russisch Leder

Russisch LederEinmal im Jahr feiert SCHÖNER WOHNEN. Wo? Natürlich auf der Möbelmesse in Köln. Die glücklichsten Gäste unserer Party war diesmal ein Paar, das vor lauter Euphorie und Hochgefühl alle Umstehenden aus ihrer Messeroutine riss: ein überglücklicher Stilmöbler und eine strahlende blonde Wohn-Journalistin aus der Ukraine: junggebliebener Traditionschic trifft aufstrebenden Elitemarkt zur beiderseitigen Freude. Was das mit Design zu tun hat? Mehr, als man glaubt.

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Von wegen erste Sahne

SahnekännchenFinden es Designer eigentlich okay, wenn die ihren Kreationen innewohnende Verwendung zwar jedes Mal einen klar definierten Beginn, aber niemals ein vom Benutzer bestimmbares Ende hat?
Ich spreche von einer Errungenschaft verfeinerter Tischkultur: vom Sahnekännchen. Entlockt man ihm den zur Aufhellung eines Heißgetränks gewünschten Teil seines Inhalts, indem man es über der Tasse vorübergehend in Kipplage bringt, so ergießt sich in den Kaffee oder Tee zwar simultan der bezweckte Sahneschwall, dieser versiegt aber nach Rückführung des Kännchens in die Lotrechte keineswegs.

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Stil-Alarm: Schön hässlich!

img_3165Was ist Schönheit? Darüber stritten schon griechische Philosophen. Eine jüngere Hilfsthese kommt von Umberto Eco: Man käme der Schönheit schon ein Stück näher, indem man einfach alles Hässliche miede. Was das mit einem Gartenzaun zu tun hat? Für mich eine Menge. Er ist mein neues Hassobjekt bei Wochenendspaziergängen. Alles perfekt: seriell einsetzbar, die Aussparungen so groß, dass noch Kleintiere durchkrabbeln können und so klein, dass Laub festgehalten wird, aber wiederum niemand hinüber klettern kann, ohne sich wehzutun.

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