Erinnern Sie sich noch an die aus heutiger Sicht etwas albernen Wohnszenarios von der Jahrhundertwende, in denen der Kühlschrank seine Milch selbst nachbestellt? Ich habe selbst einige davon geschrieben, euphorisiert von den damaligen Siemens-Bosch-Electrolux-Modellversuchen. Wie peinlich, als dann buchstäblich nichts davon auf den Markt kam. Wir waren Technikerphantasien aufgesessen. Jahrelang tobte hinter den Kulissen ein gigantischer Kampf, wer denn im Haus der Zukunft alles koordinieren solle: Das Telefon? Der Stromverteiler? Das Fernsehen? Gewonnen hat der Computer, aber nicht das siegessichere 98%-Marktanteil-Windows-Instabus-Technopol, sondern die beinahe kindlich-spielerische Welt von Apple…
Im Moment diskutieren noch alle, ob dieser kleine, smarte neue Tablett-Computer namens iPad das Buch, die Zeitschrift, den Laptop ablösen kann. Aus meiner Sicht ist etwas anderes noch viel tiefgehender. Das dünne Ding mit den zwei genialen Ideen (intuitive Streichelbedienung und kleine, ebenso intuitive Programme, so genannte Apps) wird wohl zur Fernbedienung für alles. Und das heißt: auch fürs ganze Haus. Wir werden damit von der Couch die Waschmaschine im Blick behalten können, Leselicht und Raumklima dirigieren, sehen, wer an unserer Tür klingelt oder uns schon mal ein Bad einlassen. Auch die Rezeptsuche und die entsprechende Steuerung des Herdes werden zu Fingerbewegungen verschmelzen.
Klingt alles wie damals? Ja und nein. Ich glaube: Jetzt haben diese Phantasien wirklich eine realistische Chance. Das ist die eigentliche Revolution: Die Apple-Leute haben uns ein Bild von der Zukunftswelt entworfen. Was ganz nebenbei ein Triumph des bislang immer gern auch ein wenig als modisch-oberflächlich geltenden Gewerkes „Design“ bedeutet. Sie wird auch viele Nachteile haben, diese schöne digitale Wunderwelt – aber das Bild, mit schlichten Fingerbewegungen intuitiv Dinge und Themen im Griff zu haben, dieses Bild wird man nicht mehr vergessen…
Und das wird schnell Folgen haben. Mein Prognose ist: Spätestens in einem Jahr können wir uns vor Heizungs-, Strom-, Licht-, Wasch- und Koch-Apps nicht mehr retten. Und wahrscheinlich kriegen wir den iPad (oder mit Pech: eine Windows-Kopie) sogar als Zugabe vom Stromanbieter, als Belohnung für den Tarifwechsel… Ich halte schon mal meine Finger locker.
Einer der aufwändigsten Beiträge im neuen Oktober-Heft von SCHÖNER WOHNEN (Fotostrecke dazu auf
Können Häuser fliegen? In Hollywood können sie’s und im jüngsten Pixar-Trickfilm “oben” sogar – zumindest in manchen Kinos und mithilfe spezieller Brillen – in 3D. Die räumliche Dramatisierung gilt als das große neue Thema, mit der sich das Kino wieder von DVD und den immer riesiger und schärfer werdenden Fernsehern abheben will. Aber wie in anderen Unterhaltungsformen auch: Berührt werden wir von Inhalten, nicht von Verpackungen.
Sieht das Bild nicht aus wie ein früher Jackson Pollock? Ist aber von mir. Normalerweise wachen Künstler-Erben wie die Hyänen darüber, dass der grosse Name zwar noch angebetet werden darf, aber nur, um den Genie-Faktor zu verklären.
Jetzt weiß ich, was Einstein mit „relativ“ meinte. Meine Vertragsänderung bei der Telekom dauerte Monate und ich habe mit mehr als zwanzig verschiedenen Hotline-Stimmen telefoniert. Einzelheiten erspar’ ich Ihnen, das kennt jeder und man nennt es relativ lange, langsam und langweilig. Dann die Überraschung: Das, was das neue System soll, baut sich in wenigen Minuten auf: Hunderte Fernsehprogramme kommen – ohne Antenne, ohne Kabelanschluss, ohne Satellitenschüssel – auf den Bildschirm. Das nenne ich relativ schnell. Alles durch die Telefonleitung, ein zusätzliches Gerät bucht sich dazu in das hauseigene Funknetz ein, das schon das drahtlose Internet ermöglichte. Keine Smart-Card, keine Konfiguration, kein Kennwort – das Gerät ist sozusagen selbst die Kennung, die Weitergabe an den Fernseher läuft über ein digitales („HDMI“-)Kabel.
Kennen Sie das? Lange hält man an liebgewonnenen Dingen fest – und trennt sich dann irgendwann doch via Flohmarkt, Sperrmüll oder ebay. Um es nur kurze Zeit später zu bereuen, denn was eben altmodisch war, ist wieder total angesagt, vielleicht sogar Avantgarde. Das ist im Design nicht anders als bei Mode oder Musik. Und, wie ich jetzt immer öfter sehe, bei Häuserfassaden und -verkleidungen auch.
Ein strahlender Sommertag, eine Frau kauert auf dem Boden, den Kopf tief in einen schwarzen Kunststoffsack versenkt: SCHOENER WOHNEN ist zum Fotografieren da. Eine ganz normale Arbeitszene, letzte Woche bei einer Hausreportage. So skurril kann heute der Fotografenalltag aussehen, seit nicht mehr auf Film gespeichert wird, sondern die neue Technik der Digitalkameras eine sofortige Bildkontrolle ermöglicht. Das 21. Jahrhundert trifft auf das 19. Jahrhundert. Der Fortschritt zeigt sich im Rückgriff auf das ganz Alte: Denn ziemlich genau so, verborgen unter dem lichtschützenden schwarzen Tuch, begannen vor mehr als 100 Jahren die ersten Reportagefotografen aus den Ateliers hinauszuziehen und ihre empfindlichen Glasplatten zu belichten…
In Hamburg ist Architektursommer, und das heißt alle zwei Jahre: eine Fülle spannender Ausstellungen und Veranstaltungen rund um alles Gebaute. Hamburgs schönste Architektur-Tour finden Sie nicht im Veranstaltungsprogramm. Nehmen Sie die Fährline 62 und fahren Sie auf der Elbe nach Finkenwerder und zurück bis zur Haltestelle Sandtorhöft. Sie bekommen (für gerade mal 2,70 Euro pro Strecke) bequem vom Schiff aus 1 1/2 Stunden Highlights zu sehen, von tollen Büro- und Villen-Projekten (manche warten noch auf die Internetmillionäre vom vorvorigen Boom) bis zur schon recht weit fortgeschrittenen neuen Hafencity mit Elbphilharmonie. Und auch das ist Architektur, wenn auch auf Zeit und dieses Jahr recht klein auf den Landungsbrücken gequetscht: die einladend-legeren Beachlubs, die maritim-nördliche Antwort auf die bayrischen Biergärten. Schöner kann man eine Stadt im Fluss nicht erleben.
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