
Es war einmal eine Redaktionskonferenz vor gar nicht allzu langer Zeit. Da kam das Thema auf die Onlineplattform Pinterest. “Kennt ihr die? Nutzt die jemand? Erfahrungen?” Und weil jeder schon einmal die Seite besucht hatte, aber niemand registriert war, habe ich mir Pinterest für unseren SCHÖNER WOHNEN-Blog einmal genauer angesehen. Es wurde ein Test in drei Akten.
Prolog: Das ist Pinterest
Pinterest stammt aus den USA und ist die bisher größte Onlineplattform für virtuelle Pinnwände. Genau wie bei den jüngeren Anbietern Pinspire oder LikedBy legen die User eigene Fotoalben an, so genannte Boards, und bestücken sie mit Bildern oder Videos aus dem Netz, so genannten Pins. Heraus kommen inspirierende Fotosammlungen zu allerhand Themen wie Mode, Einrichten, Rezepte oder Reisen. Gucken und sich durch die Boards der User klicken kann jeder. Kommentieren, Fotos “liken” und mitmachen geht nicht sofort, man muss erst einen Account beantragen.
I. Akt: Chronisch anmelden
Und das mache ich an jenem Mittwoch auch. Ich bin voller Tatendrang und möchte mich bei Pinterest anmelden. Dazu muss ich meine Mailadresse auf der Startseite in ein kleines Feld eingeben, abschicken und warten. Bereits einen Tag später bekomme ich eine Zusage und kann mich anmelden – via Facebook oder Twitter. Anders geht’s nicht. Ich wähle Facebook und nach ein paar Klicks sind mein Name, mein Foto und mein ganzer Facebook-Account mit Pinterest verbunden. Das geht aber schnell, wundere ich mich, bin ein wenig hin und her gerissen, drücke aber trotzdem auf OK und plötzlich habe ich bei Facebook die Chronik. Was? Doch anscheinend muss das so sein und Pinterest macht mich zum “Chroniker”. Na gut, früher oder später müssen wir sowieso alle auf die Chronik umstellen – ich eben jetzt doch früher.
Nun editiere ich mein Pinterest-Profil, wähle Themen aus, die mich interessieren und bekomme gleich zehn User vorgestellt, denen Pinterest mich automatisch folgen lässt. Zwei davon kenne ich via Facebook, vier Unbekannte schmeiße ich leicht genervt sofort wieder aus der Liste. In meiner neuen Facebook-Chronik steht jetzt groß und breit, dass ich ab sofort bei Pinterest bin und wem ich alles folge. Ich fühle mich irgendwie gläsern und hole mir einen Kaffee.
II. Akt: So funktioniert’s oder Pin it, pin it, pin it
Der Kaffee dampft auf meinem Schreibtisch vor sich hin und ich widme mich dem “Pin-it-Button” – das sagt mir jedenfalls Pinterest. Na gut, jeder hat eine zweite Chance verdient, ich lese mir brav Erklärung und Nutzungsbedingungen durch und ziehe schließlich das “Pin it”-Icon in meine Lesezeichenleiste – das war’s. Ab jetzt kann ich auf jeder beliebigen Website einfach auf diesen Pin-It-Button klicken und schon zeigt mir Pinterest in einem Layover, welche Bilder der Website ich auf meinen Boards sammeln kann. Alternativ können User auch direkt Bilder von anderen Pinterest-Boards auswählen und in die eigenen einfügen. Das wäre dann ein Repin. Aber zuerst brauche ich erst einmal ein Board.

Da ich mich in letzter Zeit ziemlich viel mit Farben beschäftige, soll sich mein erstes Board rund um Gelb drehen. Der Farbton liegt im Trend, macht Spaß und gute Laune – das wird’s! Ich muss ein paar Augenblicke im Menu herumsuchen, bis ich auf Add+ klicke. Da haben wir’s! Man wähle nun “create a board”, gebe dem Board einen Namen, ordne ihm einer Kategorie zu und lege fest, wer etwas pinnen darf – nur ich oder auch andere, fertig.
Und dann nimmt das Unheil seinen Lauf. Ich gebe bei Pinterest im Suchfeld “yellow” ein und bekomme zig Bildschirmlängen mit wunderhübschen Bildern. So repinne ich fleißig drauf los, komme von einem Board und von einem Pin zum nächsten und vergesse völlig die Zeit. Im Pin-Fieber durchforste ich diverse Blogs und meine liebsten Hersteller nach Bildern mit gelben Akzenten. Fazit: Nach nicht einmal einer Stunde als Pinterest-Girl habe ich bereits 16 Pins auf meinem Board. Auweia – das kann ja was werden!
III. Akt: Kalte Füße oder Wie war das noch mal mit Bildrechten?
Ich ziehe die Notbremse und verordne mir eine Pinterest-Pause. Beim Mittagsspaziergang komme ich aber doch ins Grübeln. Was ist eigentlich mit den Bildcredits und den Rechten? Mache ich mich gerade strafbar, wenn ich einfach so Bilder von anderen auf meinem Pinterest-Board veröffentliche? Zurück am Schreibtisch recherchiere ich und öffne damit die Büchse der Pandora. Kurz gesagt: Die Rechtslage ist vertrackt, unübersichtlich und gespickt mit Schlupflöchern, Halbwahrheiten und Grauzonen. Mir wird klar, dass nichts wirklich klar ist. Dennoch, mein Tipp: Gut überlegen welche und wessen Bilder man auf seinem Board veröffentlicht. Bei Pins so viel Fakten der Quelle angeben, wie man heraus bekommt: Fotograf, Hersteller, Blog, Online-Magazin und und und – denn im schlimmsten Fall haftet der Nutzer für eventuelle Rechtsverletzungen.

Darum schaue ich mir so einen Pin einmal genauer an: Gut, mein Name steht oben drüber und ich grinse mir selbst vom Bildschirm entgegen. Darunter findet sich ein Link zur ursprünglichen Quelle. Immerhin! Drei Bildergalerien linken zu meinem Board, meinem Profil und zu einer Übersicht von Pins, die von der gleichen Quelle stammen. Darunter sieht man, wer meinen Pin “geliked” hat – typisch soziales Netzwerk.
Epilog: Eine Woche Pinterest oder Gucken, sammeln, freuen
Mittlerweile nutze ich seit einer Woche Pinterest. Das Fieber des ersten Tages ist verflogen und ich pinne nur hin und wieder ein Bild an mein Board. Das hat am Wochenende übrigens ein Geschwisterchen bekommen. “Farbakzente” heißt mein zweites Baby und ist schon fast so groß wie “Gelb”. Und einen Follower habe ich! Eine Freundin aus London folgt mir nun. Ich fühle mich total geehrt, denn ihr Pinterest-Profil und ihre Boards finde ich total schön. Übrigens habe ich Trüffelschwein gespielt und meine liebsten Pinnwände herausgefischt: Dalay Lapa sammelt auf tablescape alles, was auf Tisch und Fensterbrett kommt und in die Farbwelt Weiß, Braun und Grün passt. Christine Martinez, mit über 900.000 Followern ein echter Pinterest-Star, pinnt inspirierende Einrichtungsimpressionen an ihr Board “interiors i dream of” und Thea Neubauer zeigt auf ihren Boards “Typgraphie” und “Pastell Colours” stilvolle Buchstabenwelten und eine Auswahl bezaubernder Bilder in zarten Pastelltönen.

Gefährlich, denn es macht einfach Spaß, sich durch die ausgesuchten und schön zusammen gestellten Boards zu klicken, seine Lieblingsbilder zu sammeln und in eigenen Pinnwänden neu zu arrangieren. Und genau dafür ist Pinterest auch gut: zum Gucken, Sammeln und Sich-inspirieren-Lassen. Dennnoch bin ich gespannt, wie sich die Plattform weiter entwickelt, was in Sachen Bildrechten passiert und mit welchen Maßnahmen das Pinterest-Team irgendwann Geld verdienen möchte. Wahrscheinlich werde ich Pinterest in Zukunft als eine Art Gedächtnisstütze nutzen und Ideen für Wohnthemen, Dekotipps und DIY-Inspirationen zusammen tragen. Aber Achtung: Im Pinterest-Universum vergeht die Zeit wirklich wie im Flug!
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