Kürzlich berichtete mir mein Schwiegervater in spe von seiner Spielecke. Er erinnerte sich an einen Wagen, der aussah wie ein VW-Käfer. Der Wagen war aus Holz und hatte rote Räder mit schwarzem Gummi. Benutzen konnte man ihn wie heute moderne Bobbycars. Der Clou: Wenn man ihn umdrehte, wurde aus dem Auto ein Schaukelstuhl.
Klaus kam ins Schwärmen. Was hat er geschaukelt mit dem Ding. Und kreuz und quer durch die Wohnung ist er gerast. Klaus und seine Geschwister hatten das Glück, einen “Schaukelwagen” zu besitzen. Mein Blick ging mit Gedanken an meine zweijährige Tochter in Richtung Dachboden. Keine Chance: Der Wagen gilt als verschollen.
Als nach dem Krieg die Hochschule der bildenden Künste in Dresden unter dem Namen “Hochschule für Werkkunst” neu gegründet wurde, gab es den kurzzeitigen Versuch, an die Programmatik des Bauhauses anzuknüpfen. Leider währte diese Blütezeit des Designs der DDR nur bis in die frühen 50er Jahre.
Aus dieser Zeit stammt auch das “Mehrzweckspielgerät Schaukelwagen” (O-Ton der VEB Holzspielwarenwerke Ohrdruf) von Hans Brockhage und Erwin Andrä. Sie folgten mit ihrem Entwurf einer Anregung ihres holländischen Lehrers Mart Stam, der das zuvor abgelieferte Schaukelpferd mit den Worten kritisierte: “Wenn Pferd fällt um, ist Pferd tot. Du mußt machen Pferd, das nicht tot ist, wenn fällt um”. Die beiden entwickelten mit dem “Schaukelwagen” ein Spielgerät und Kindermöbel, welches auch heute noch viele Kinder glücklich machen würde. Wer Glück und Geld hat, kann es bei Ebay oder anderen Auktionshäusern versuchen. Mit mindestens 600 Euro für ein gut erhaltenes Exemplar muss man allerdings rechnen. 2002 ging der “Schaukelwagen” noch einmal in Produktion und wurde von Manufactum vertrieben. Heute scheint er nicht mehr im Sortiment zu sein. Schade.
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