SCHÖNER WOHNEN – Redaktionsblog

Archiv für Dezember 2009 (8)

Silvester im Plattenbau

Herold-Center, Norderstedt

Herold-Center, Norderstedt

Ich muss so ungefähr fünf oder sechs Jahre alt gewesen sein, da lebte ich mit meinen Eltern in Norderstedt, einem kleinen Vorstadtgebiet in der Nähe von Hamburg. Wir wohnten in einer Vierzimmerwohnung eines Plattenbauhochhauses direkt über einem Einkaufszentrum. Diese Bausünde aus den frühen siebziger Jahren war für jeden normalen Menschen ein Graus, aber für ein kleines kreatives Kind das Paradies auf Erden.

Es gab unglaublich viele Spielmöglichkeiten, allesamt natürlich verboten. Man konnte durch die Einkaufspassagen schlendern, in den Geschäften die neusten Spielsachen bestaunen oder ausprobieren, auf Vordächern balancieren, Wasserbomben auf Passanten werfen, im Keller nach Moorleichen suchen oder sich stundenlang auf dem Dachboden verstecken und sich Schauergeschichten ausdenken. Eine wirklich aufregende Welt aus der Sicht eines Kindes.

Doch am meisten beeindruckt hat mich der Ausblick. Kilometerweit konnte man seinen Blick über die Skyline von Hamburg wandern lassen. Da lag es: das Tor zur Welt. Der Ruf der Freiheit. Bei diesem Panorama bot es sich förmlich an, bei uns Silvesterpartys zu schmeißen. Dies taten meine Eltern auch mit Begeisterung.

Kurz vorm Jahreswechsel, das Fest war in vollem Gange, versammelten wir uns auf dem Balkon. Nun stand eines der Highlights auf dem Programm: das Feuerwerk. Man stellte mir einen kleinen Hocker vor die Balustrade, damit ich gerade eben mit dem Kopf über die Brüstung gucken konnte und meine Mutter die Arme wieder frei hatte, damit sie wie die anderen Wunderkerzen schwenken konnte.

Die Uhr schlug Mitternacht. Die Korken flogen, Böller knallten und über der ganzen Stadt funkelten die Lichter. Mittendrin ein kleiner Junge, ganz aufgewühlt, mit großen leuchtenden Kulleraugen, den erstaunten Blick gebannt auf das Lichtspektakel gerichtet. Dieser Anblick blieb unvergessen. Der Rest des Abends auch. Als die Spannung ihren Höhepunkt erreichte, tat ich, was ich immer tat, wenn ich aufgeregt war: Ich leckte hektisch mit meiner Zunge an meiner Unterlippe – und fror so gleich mit selbiger am Balkongeländer fest.

Es ist gar nicht so einfach sich inmitten einer ausgelassenen Silvestergemeinschaft bemerkbar zu machen, wenn man sich mit Worten nicht mehr richtig artikulieren kann. Mein etwas zaghaftes “Ähhh, ähhh ähhh” wurde sofort mit einem Klaps auf den Hinterkopf belohnt. Erst nach geraumer Zeit und mit inzwischen penetrantem Geschrei konnte ich die Erwachsenen dazu bewegen, doch noch nach dem rechten zu sehen.

Das anschließende Gelächter trug nicht gerade zu meinem Wohlergehen bei. Und nur meinem Rehblick war es schließlich zu verdanken, dass sich zumindest die weiblichen Anwesenden schnell wieder fassten und einen Rettungsversuch starteten. Kurzerhand wurde ich von meiner Mutter und meiner Schwester vom Geländer frei gelutscht. Beleidigt verzog ich mich in mein Zimmer. Aber in Kürze sollte ich die Chance auf Rache bekommen!

Wohl um mich zu beruhigen oder aber um endlich wieder in Ruhe weiterfeiern zu können, gaben mir meine Eltern ein paar bunte Luftschlangen. Ich, gar nicht blöde, verkrümelte mich sofort mit meiner Beute auf die Toilette. Man glaubt gar nicht, wie gut ein Haufen aus Papierschlangen brennt, wenn man ein paar angezündete Wunderkerzen reinhält. Dummerweise entflammte auch der Teppich hervorragend und ließ sich nur sehr schwer wieder auspusten.

Wieder einmal wurde mein zaghaftes “Ähhh, ähh, ähhh” konsequent überhört. Doch glücklicherweise hatte die inzwischen einsetzende Rauchentwicklung und das immer heller flackernde Licht ihre Wirkung nicht verfehlt. Nachdem meine Eltern das Feuer erfolgreich bekämpft hatten und der erste Schock über den zerstörten Teppich verflogen war, wurde mir endlich die nötige Aufmerksamkeit zuteil und man ließ mich für den Rest des Abends nicht mehr aus den Augen.

Es wird wild mit dem „Antler“ von Nendo

"Antler" von CappelliniDunkelgrüner Wollfilz, weiches Leder und ein Hirschgeweih. Nein, wir sind nicht auf der Jagd, sondern vielmehr auf der Pirsch um einen ganz besonderen Sessel.

Die einen sehen im „Antler“ des Designers Nendo den Koppelzaun einer kanadischen Ranch, doch mich erinnert er an tiefe Wälder. Natürliche Materialien, die Farbgebung in Grün- und Brauntönen sowie die Verwendung von Holz machen für mich das Jagd-Feeling perfekt.

So ist die Sitzfläche des „Antlers“ in dunkelgrünen Wollfilz gehüllt, der auch einem passionierten Jäger gut stehen würde, genauso wie weiches Leder. Die Rückenlehne hingegen besteht aus Eichen-Massivholz und stilisiert das Geweih eines Hirsches. Zu guter Letzt sind die Füße des niedrigen Sessels mit einem Olivenholzfinish veredelt – Natur pur!

Fehlt nur noch, dass der bequeme Sessel auch noch den frischen und leicht holzigen Geruch eines Kiefernwaldes verströmt. Ach, ich würde nie wieder aufstehen.

Hersteller: www.cappellini.it

Podcast-Tipp fürs iPhone: Videos bei gestalten.tv

Foto: Büro Destruct III bei gestalten-tv

Foto: Büro Destruct III bei gestalten-tv

Beim letzten Bummel mit dem iPhone durch das iTunes-Angebot bin ich auf einen ganz hervorragenden Podcast gestoßen: Er nennt sich “gestalten.tv” und bietet Videos über Künstler, Architekten und Designer kostenlos zum Downloaden an. Jedes Video dauert etwa 15 Minuten und ist englischsprachig. Die Macher waren im Atelier von Daniel Richter, besuchten Stefan Diez oder Mario Lombardo. Insgesamt stehen an die hundert Videos und Audio-Podcasts bereit. Und alle zwei, drei Wochen gibt es ein neues.

Die Videos kann man sich auch ganz bequem im Internet ansehen:

www.gestalten.com/motion/tv/

Strick ist schick: Duftkerzen bei anthropologie.com

StrickkerzeWarum sollen nur Menschen im Winter Schal und Mütze tragen und die neuesten Stricktrends zur Schau stellen? Strickmode sieht auch an Wohnaccessoires gut aus. Beim Anblick von Duftkerzen mit kuscheliger Strickmütze wird einem doch gleich viel wärmer, wenn es draußen stürmt und schneit!

Raffinierte Details wie Ohrenklappen lassen den Mützenlook des Porzellandeckels täuschend echt aussehen. Es gibt die Strickkerzen auch als Pudelmütze oder mit dem Muster des Lieblingspullovers. Damit es so richtig gemütlich wird, haben die Kerzen angenehme Düfte wie Eichenmoos und Zimt, Patchouli und Kieferzapfen, Marokkanische Rose und Aprikosennektar oder Zypresse und Rosmarin.

Wenn die Kerze ausgebrannt ist kann man die dekorativen Strickmützchen als Schalen für allerlei Krimskram oder die übrig gebliebenen Weihnachtskekse verwenden. Duftkerzen im Stricklook und weitere Accessoires gibt es bei:

www.anthropologie.com

“Limited Fungi”: Regalkunst für den guten Zweck

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Sie sind klein, kommen überwiegend in Österreich vor und es gibt nur noch erschreckend wenige von ihnen. Die glattstieligen Stockschwämmchen sind seltene Pilze und stehen, da ihr Bestand stark gefährdet ist, auf der Roten Liste bedrohter Arten. Gemeinsam mit dem niederländischen Design-Label Droog hat die Designerin Katharina Mischer beschlossen, etwas dagegen zu unternehmen. Das Ergebnis ihres Engagements ist das Wandregal “Limited Fungi”.

Dort tummeln sich auf betagten Holzplanken kleine Stockschwämmchen aus Zinn. Sie sehen aus wie ihre lebenden Artgenossen und jeder Pilz verfügt über eine eigene Nummer. Ein Teil des Verkaufserlöses der stark limitierten Regale geht an Umweltorganisationen, die sich dem Erhalt der glattstieligen Stockschwämmchen verschrieben haben. Sozusagen limited Design for unlimited Life.

www.droog.com

Schöner shoppen: Richard Hamburg

Fotos: Jona Laffin

Fotos: Jona Laffin

Erinnern Sie sich? In einem unserer letzten Hefte haben wir Ihnen gezeigt, wie man seine Bilder richtig und schön aufhängt. Oder besser gesagt, Richard hat es Ihnen vorgemacht. Seit Jahren richtet Richard Lotzmann Räume für SCHÖNER WOHNEN ein. Jetzt können Sie den Stil des Einrichtungsprofis auch kaufen. RICHARD Hamburg hat seine Türen geöffnet. Damit wird ein Traum für den Produzenten und Stylisten wahr. Jahrelang war er auf der Suche nach dem geeigneten Ladenlokal. Endlich hat er es gefunden, in der Wextraße. Dort gibt es nun ausgewählte Kleinigkeiten, Möbel, Geschirr, Vasen, Fotokunst und die schönsten Windlichter. Die glänzen seit einer Woche golden auf meinem Esstisch. Eigentlich sollten sie ein Weihnachtsgeschenk für meine Schwester werden. Leider konnte ich mich nicht von ihnen trennen. Ich muss wohl noch einmal bei Richard vorbeischauen. Dass sollten Sie auch tun. Es lohnt sich, und vielleicht haben Sie Glück und Richard begrüßt Sie freundlich hinterm Tresen.

Öffnungszeiten:
Mo-Fr: 11-19:00
Sa: 11-16:00

RICHARD Hamburg
Wexstr. 32a
20355
Tel. 040/38647502
www.richardhamburg.com

EU-Glühbirnenverbot: Viel Licht – und wie viel Schatten?

EnergiesparlampeUnd? Wie sieht es nun bei Ihnen aus? Knipsen Sie nach wie vor Glühbirnen an? Haben Sie sich mit diesen Leuchtknollen vielleicht sogar bevorratet, um über das Jahr 2012 hinaus gerüstet zu sein? Oder vertreiben Sie die Dunkelheit bereits mit Energiesparlampen, wie es der Intention des am 1. September 2009 in Kraft getretenen und im Laufe von drei Jahren etappenweise sich verschärfenden EU-Glühbirnenverbots entspricht?

Leuchten Ihnen die zukunftsträchtigen Lichtquellen ein? Welche Unterschiede fallen Ihnen im Alltag auf – in puncto Handhabung, Helligkeit, Atmosphäre, Energiebilanz?

Bitte erzählen Sie mal! Klicken Sie einfach auf den Link „Kommentar schreiben“ – und los geht’s.

Übrigens: Der zuweilen als Lichtpapst apostrophierte Designer Ingo Maurer, ein leidenschaftlicher Liebhaber der guten alten Glühlampe, präsentierte auf der Mailänder Möbelmesse 2009 ein milchfarbenes Schein-Präservativ zur Vermummung von Klarglas-Birnen, damit diese zwecks milderen Lichts den Charakter von Mattglas-Birnen annehmen. Im Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT gibt er zu bedenken: „Unser Euro-Condom besteht aus hitzebeständigem Silikon. Handelsübliche Kondome sind aus Latex und wohl nicht hitzebeständig. Das Produkt ist allerdings ausschließlich zur Anwendung auf einer Glühbirne gedacht, das möchte ich betonen. Wir wollen nicht für irgendwelche Geburten verantwortlich sein.“

www.ingo-maurer.de

“Brave New World Lamp” von Moooi

„Brave New World Lamp“ von moooiNein, die Tischleuchte „Brave New World“ hat nichts mit Aldous Huxley oder Shakespeare zu tun. Sie ist ein Design-Highlight aus dem Hause Moooi, gestaltet von dem Designerkollektiv Freshwest.

Sie wirkt fragil, wie zufällig aus kleinen Holzstäbchen zusammengebastelt und erinnert dabei an klassische englische Schreibtischleuchten. Der Eindruck des Fotos ist aber irreführend. Die „Brave New World Lamp“ ist 1,80 Meter hoch und lässt sich nicht so kinderleicht verstellen wie eine Schreibtischlampe.

Damit die aus über 300 Eichenhölzern bestehende Lampe nicht umfällt, wird sie von zwei Elementen aus Eisen stabilisiert. Als Inspiration für diesen Entwurf haben fernöstliche Baugerüste aus Bambus gedient. Entstanden ist sie ohne einen starren Entwurf und in wahrer Bastelarbeit.

http://moooi.com