Kennen Sie das? Lange hält man an liebgewonnenen Dingen fest – und trennt sich dann irgendwann doch via Flohmarkt, Sperrmüll oder ebay. Um es nur kurze Zeit später zu bereuen, denn was eben altmodisch war, ist wieder total angesagt, vielleicht sogar Avantgarde. Das ist im Design nicht anders als bei Mode oder Musik. Und, wie ich jetzt immer öfter sehe, bei Häuserfassaden und -verkleidungen auch.
Nichts prägte die Häuser der siebziger Jahre so sehr wie Bronzetöne – von Gold-Kupfer-Messing bis zu Stahlblechen in dunklem Schokoladenbraun. Bürohäuser machten es vor, Privathäuser, die auf sich hielten, machten es nach. Bis es altmodisch wurde, siehe oben. In Hamburg (und ich bin sicher: nicht nur dort) kann man gerade das interessante Phänomen beobachten, dass diese in/out-Prozesse an unterschiedlichen Stellen der Stadt sogar gleichzeitig stattfinden. In manchen Vierteln werden braune Fassaden heruntergerissen (weil inzwischen doch etwas altmodisch), in anderen Stadtteilen entstehen ganze Straßenzüge neu in metallic-braun. Wie tröstlich: Avantgarde ist eine Frage des Standortes.
Tags: Architektur, Design, Trends
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Mit diesem Slogan wirbt der Berliner Bauträger “Bürgerstadt” für seine Projekte, die mehrheitlich von und für Baugruppen durchgeführt werden. Sein neuestes: Der Bau eines Musikerhauses in der Neuen Grünstraße. Am 10. Juli wurde der Grundstein für die Modernisierung und Baulückenbebauung in Berlin Mitte gelegt. Dort, wo früher die Vopos ihre Autos parkten und warten ließen, entsteht nun ein ungewöhnliches Haus mit 27 Wohnungen und einem exklusiven Dachgarten: 27 Wohnungen von 66 bis 200 qm, von denen in 15 jeweils ein schallentkoppelter Musikerraum eingebaut ist. Hier soll und wird musiziert werden, ohne dass sich die Nachbarn über Lärm beschweren brauchen.
Das zentral gelegene Haus zwischen Moritzplatz und Leipzigerstraße wird eines der ersten innerstädtischen Projekte mit Erdwärmeheizung und solarer Warmwasseraufbereitung sein. Die Energiekosten werden um 75 Prozent geringer ausfallen als bei vergleichbaren Projekten. Und trotzdem liegen die Preise mit 2.600 bis 3.700 Euro pro Quadratmeter im unteren bis mittleren Bereich.
www.buergerstadt.de
Tags: Bauen, Berlin, Bürgerstadt
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Denk’ ich an Amerika und das Thema Wohnen, denk’ ich an die „Waltons“ und den „Denver Clan“: Das eine der Stichwortgeber des Landhausstils von vorgestern, das letztere ein frivoles Bilderrauschen aus den achtziger Jahren. Beides völlig unwahr, nicht nur, weil Fernsehen immer lügt, wenn es nicht von Günther Jauch moderiert wird, sondern weil ich diese Zeilen just in einer der beliebten Familienpensionen in den USA schreibe – und mitten in Tante Hennys Biedermeier sitze. Denn eigentlich besteht Wohnen in den USA aus Paradekissen, Möchtegern-Antiquitäten … und dem Propeller unter der Zimmerdecke eines “Bed & Breakfast”.
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Tags: Einrichten, Hotel, Interior, Unterwegs
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Benvenuto! Die Einladung nehmen wir gerne an und folgen Massimo Isacco. Der junge Mann in lässigen Shorts wirkt so sympathisch, und wir sind neugierig, was sich hinter den alten Mauern verbirgt, an denen wir jeden Abend in unserem Italienurlaub vorbeischlendern. Nach einer Privatführung durch das ehemalige Kloster aus dem 13. Jahrhundert wissen wir es nun: Massimo hat mit seiner Frau die alten Mauern in das schönste Hotel südlich der Amalfiküste verwandelt. Elf Räume kann man mieten, mit viel Charme und einem gigantischen Blick hinunter auf das blaue Meer. 65 Euro kostet das günstigste Doppelzimmer in der Hochsaison. Ein Spotpreis, denkt man an die Hotelraten der Amalfiküste, die sich 100 Kilometer nördlich des Cilento befindet. Das mittelalterliche Städtchen Pisciotta ist genauso schön wie Amalfi oder Positano, nur viel ruhiger. Okay, die Steilküste südlich von Neapel ist spektakulärer, dafür sind die kilometerlangen Sandstrände unterhalb von Pisciotta außerhalb der Saison menschenleer. Ganz klar, wir kommen wieder und dann wohnen wir im Hotel Marulivo bei Massimo, seiner Frau und ihrem kleinen Sohn. Aber erst einmal gönnen wir uns noch einen Limoncello auf der Aussichtsterrasse des Hotels und genießen den Sonnenuntergang über dem Tyrrhenischen Meer.
www.marulivohotel.it
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Wenn ich Hausreportagen in anderen Städten produziere, stellt sich mir spätestens um 13 Uhr die Frage: Wo bekomme ich ein Mittagessen für das Team und mich. Häufig ist das Ergebnis gerade so genießbar.
Ganz anders in Südtirol bei der Familie Selva. Zwei Tage wurden wir so liebevoll und lecker versorgt, dass ich die Produktion am liebsten um ein paar Tage verlängert hätte. Mittags und abends gab es mehrere Gänge: Pasta, Risotto, Teigtaschen, Käse, Obstsalat und natürlich Rot- und Weißwein. Wir wussten gar nicht, was wir zuerst essen sollten und werden bestimmt versuchen einiges davon zu Hause nach zu kochen.
Von der Südtiroler Gastfreundschaft hatte ich schon vorher gehört, sie aber so kennen zu lernen war ein ganz besonders schönes Erlebnis! Mille grazie!
Tags: Aus der Redaktion, Fotoproduktion, Tour
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Also, ich muss es nach Jahren vergeblichen Bemühens jetzt einmal zugeben: Ich habe einfach keinen grünen Daumen. Und nein, ich bedauere es nicht. Irgendwie gelangt man im Laufe seines Lebens an diverse Topfpflänzchen – geschenkt bekommen, vererbt oder zur Kurzzeitpflege überlassen. Abholtermin ungewiss. Sie alle haben es nicht gut bei mir… Die einzige Topfpflanze, die es einige Zeit mit mir aushält, ist die weit verbreitete Orchidee. Nur – hat sie ausgeblüht – bin ich gnadenlos. Im Optimalfall “schenke” ich sie meiner mit mindestens acht grünen Daumen ausgestatteten gutmütigen Nachbarin. Und wie sie es auch immer anstellt: Nach gefühlten sechs Tagen ist das scheinbar todgeweihte Objekt grüner als je zuvor – ja es fängt auch noch an zu blühen!!! Also sind meine Fensterbänke in der Regel frei von Grünzeug. Was aber manchmal auch schade ist. Abhilfe schaffen die mit Topfpflanzen bedruckten Vorhänge der Textil-Künstlerin Klara Rot. Seitdem könnten Nachbarn oder Passanten tatsächlich glauben “Hey – ultra grüner Daumen!”
www.klararottextilie.de
Tags: Accessoires, Design, Textilien
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Einer der Hingucker auf der Mailänder Möbelmesse war der Sessel “Antler”, entworfen von Nendo für Cappellini. Ich fand ihn lustig und vermutete, dass hier offenbar die aktuelle Geweih-Mode auf die Schippe genommen werden sollte.
Dass allerdings vor hundert Jahren schon mal Möbel aus echten Hirschgeweihen schwer in Mode waren, darauf wäre ich im Leben nicht gekommen. Bei einem Ausflug zum Schloss Granitz auf Rügen habe ich jetzt gelernt, dass gut betuchte Jagdherren Mitte des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts nicht nur gerne ihre Wände mit Jagdtrophäen schmückten, sondern auch Tische und Stühle daraus bauen ließen. So gab es im 19. Jahrhundert einige Manufakturen, die sich auf die Herstellung solcher Möbel spezialisiert hatten. Einem größeren Publikum wurden sie 1851 auf der Weltausstellung in London vorgestellt. Skurril! Da ist die Nendo-Version dann doch um einiges ziviler!
www.cappellini.it
www.mv-schloesser.de
Tags: Design, Möbel, Trends
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Eine Bushaltestelle zwischen saftigen Wiesen, irgendwo im Allgäu. Man steigt aus dem Landbus. Die Trecker tuckern, die Kühe muhen. “Griaß di!”. Hallo auch. “Komm mit, nimm dir Zeit. Merhaba. Auf einem hohen Berg sitzt ein kleiner Zwerg und singt aus voller Brust.” Was der jungen Künstlerin Anna Grath zum Ankommen und zum Abreisen einfällt, ist nachzulesen in zwei Haltestellenhäuschen zwischen Simmerberg und Genhofen. Anhalten lohnt! Ein Blick auf Graths Internetseite auch: www.annagrath.de. Und ein bisschen Werbung für den tollen Bildband “Tausendschön & Gänsegift – ein botanisches Plädoyer für die Bezauberung” kann schließlich auch nicht schaden
Tags: Kunst, Kurioses, Unterwegs
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