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Schattenwurflicht

DownlightWenn ich etwas nicht leiden kann, dann sind es Wortprägungen, die auf Gutgläubigkeit zielen und dem Publikum eine halbe als die ganze Wahrheit unterjubeln wollen. Zu diesen Halbwahrheiten zählt der modische Begriff Downlight. Stimmt: Die Dinger spenden Licht (light), und zwar in aller Regel stramm abwärts (down) gerichtet. Was verschwiegen wird: die Kehrseite des Lichts. Schatten fällt natürlich meistens irgendwo, sobald es irgendwo Licht gibt. Indem Downlights ihr Licht aber in Form straff gebündelter Kegel werfen, werfen sie zugleich einen geradezu tiefschwarzen Schatten just dorthin, wo Helligkeit gebraucht wird. Ärgerlicher Widersinn: Es handelt sich um den Schattenwurf des eigenen Ich.

Nun gut, möchte man sagen, lieber stehe ich im eigenen als im Schatten eines anderen. Beim Binden von Schnürsenkeln unter den Downlights im Flur beflügelt das kaum. Man fummelt in Düsternis – sei es im Schlagschatten direkt unterm Lichtkegel, sei es einen Schritt nebenan, wohin sein Schein nicht reicht. Am Waschbecken im Bad ist’s das Gleiche: Attraktiv illuminiert harrt die Szenerie, bis dass die eigene Person ihr näher tritt und die Sanitärkeramik verfinstert. Im Spiegel zeigt sich die Tolle obenauf silbrig beglänzt, indessen das Antlitz als vage konturierter Schattenriss.

Ich schlage eine erhellende Umbenennung vor: Lighting Downshades. Und plädiere für ehrliche Einsicht in die ganze Wahrheit: Downlights sind Licht, aber nicht licht.

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